Wer sich heute ein hochwertiges Fahrradschloss kauft, wundert sich oft über das Gewicht.

Zwei oder sogar drei Kilogramm sind bei vielen Modellen keine Seltenheit. Manche Kettenschlösser bringen sogar noch mehr auf die Waage.

Die Frage liegt nahe:

Warum sind Fahrradschlösser in den letzten Jahren eigentlich so schwer geworden?

Die Antwort ist einfach: Weil sich auch die Fahrräder verändert haben.


Teure Fahrräder brauchen einen besseren Schutz

Vor fünfzehn oder zwanzig Jahren kostete ein gutes Fahrrad häufig deutlich unter 1.000 Euro. Natürlich gab es auch damals hochwertige Modelle, sie waren aber eher die Ausnahme.

Heute sieht das anders aus.

E-Bikes zwischen 4.000 und 6.000 Euro gehören längst zum Alltag. Entsprechend steigen auch die Anforderungen an den Diebstahlschutz.

Ein einfaches Kabelschloss reicht für viele Besitzer solcher Fahrräder nicht mehr aus. Stattdessen kommen massive Ketten-, Bügel- oder Faltschlösser zum Einsatz. Diese bestehen aus gehärtetem Stahl und bringen zwangsläufig mehr Gewicht mit.

Warum moderne E-Bikes heute deutlich mehr wiegen als noch vor einigen Jahren, erfahren Sie in unserem Beitrag Warum werden E-Bikes immer schwerer?.


Sicherheitsstufen helfen – aber nur bedingt

Wer nach einem Fahrradschloss sucht, stößt schnell auf Sicherheitsstufen oder Sicherheitslevel.

Hier lohnt sich allerdings ein genauer Blick.

Viele Hersteller verwenden eigene Bewertungssysteme. Ein Sicherheitslevel 10 eines Herstellers lässt sich deshalb nicht direkt mit einem Sicherheitslevel 10 eines anderen Herstellers vergleichen.

Die Sicherheitsstufe ist deshalb eine gute Orientierung, sollte aber nie das einzige Kaufkriterium sein.

Wichtiger ist die Frage:

Passt das Schloss zum Wert meines Fahrrads und zu meinem Nutzungsverhalten?

Einen guten Überblick über verschiedene Schlossarten und Tipps zum richtigen Anschließen des Fahrrads bietet auch der ADFC.


Das schwerste Schloss ist nicht automatisch das beste

Ein besonders massives Schloss vermittelt zunächst ein gutes Gefühl.

Im Alltag zeigt sich jedoch schnell, dass Gewicht nicht alles ist.

Ein Schloss schützt nur dann, wenn es auch regelmäßig benutzt wird. Ist es zu schwer oder unhandlich, bleibt es irgendwann vielleicht zu Hause oder wird nur noch bei längeren Stopps eingesetzt.

Deshalb lohnt es sich, neben dem Sicherheitsniveau auch auf Handhabung und Alltagstauglichkeit zu achten.


Nicht jede Situation lässt sich perfekt absichern

Zu Hause lässt sich ein hochwertiges Fahrrad oft sicher in einer Garage oder einem abgeschlossenen Raum unterbringen.

Unterwegs sieht das naturgemäß anders aus.

Wer Freunde besucht, in einem Café sitzt, ins Theater geht oder einen Stadtbummel macht, kann sein Fahrrad meist nur an einem öffentlichen Fahrradständer anschließen.

Gerade deshalb spielt ein hochwertiges Schloss eine wichtige Rolle.

Zusätzlich empfiehlt es sich, die Bedingungen der eigenen Fahrradversicherung zu kennen. Je nach Tarif gelten unterschiedliche Anforderungen an den Diebstahlschutz oder den Abstellort des Fahrrads. Wer diese Bedingungen kennt, vermeidet im Ernstfall unangenehme Überraschungen.


Das Schloss bleibt heute häufig am Fahrrad

Ein interessanter Nebeneffekt der vergangenen Jahre:

Viele hochwertige Schlösser werden gar nicht mehr separat transportiert.

Sie bleiben dauerhaft am Fahrrad – beispielsweise am Rahmen befestigt oder um die Sattelstütze gelegt.

Das ist nachvollziehbar, denn ein Schloss mit mehreren Kilogramm Gewicht möchte kaum jemand täglich im Rucksack mitnehmen.

Dadurch verändert sich aber auch der Platzbedarf des Fahrrads.


Mehr Zubehör bedeutet auch mehr Platzbedarf

Bei der Planung einer Fahrradgarage geht es heute längst nicht mehr nur um die Abmessungen des Fahrrads.

Viele Kunden möchten auch Packtaschen, Helme oder das Schloss dauerhaft am Fahrrad lassen. Das erleichtert den Alltag und spart Zeit.

Gerade schwere Kettenschlösser oder fest montierte Faltschlösser benötigen dabei etwas mehr Platz als früher. Diese Entwicklung beobachten wir in den letzten Jahren immer häufiger.

Wer eine Fahrradgarage plant, sollte deshalb nicht nur die Länge des Fahrrads berücksichtigen. Auch Lenkerbreite, fest montierte Schlösser oder Packtaschen beeinflussen den tatsächlichen Platzbedarf. Wie Sie den benötigten Platz richtig einschätzen, zeigen wir in unserem Beitrag „Wie viel Platz braucht ein Fahrrad wirklich?“.


Unser Fazit

Moderne Fahrradschlösser sind nicht schwerer geworden, weil die Hersteller unnötig Material verwenden.

Sie sind schwerer geworden, weil sie deutlich wertvollere Fahrräder schützen sollen.

Beim Kauf lohnt es sich deshalb, nicht nur auf eine möglichst hohe Sicherheitsstufe zu achten. Entscheidend ist, dass das Schloss zum Fahrrad, zum Alltag und zu den Anforderungen der eigenen Versicherung passt.

Denn das beste Fahrradschloss ist am Ende dasjenige, das zuverlässig schützt und auch tatsächlich jeden Tag genutzt wird.