Wenn die Temperaturen im Herbst sinken, taucht bei vielen E-Bike-Fahrern irgendwann dieselbe Frage auf:

Kann der Akku am Fahrrad bleiben oder muss er im Winter jeden Abend mit ins Haus?

Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Und genau das macht das Thema etwas komplizierter, als es zunächst klingt.

Denn es macht einen Unterschied, ob das E-Bike jeden Tag benutzt wird, ob der Akku geladen werden soll oder ob das Fahrrad mehrere Wochen Winterpause macht.

Kälte macht einen Akku nicht sofort kaputt

Zunächst einmal: Ein E-Bike kann selbstverständlich auch im Winter gefahren werden.

Dass die Reichweite bei niedrigen Temperaturen abnimmt, ist bei Lithium-Ionen-Akkus normal. Der Effekt ist zunächst vorübergehend. Wird der Akku wieder wärmer, steht auch wieder mehr seiner gewohnten Leistungsfähigkeit zur Verfügung. Der ADFC weist ebenfalls auf diesen kältebedingten Kapazitätsverlust hin.

Wer im Winter eine längere Tour plant, sollte deshalb etwas mehr Reichweitenreserve einplanen als im Sommer.

Problematischer als das Fahren bei Kälte kann allerdings das Laden eines sehr kalten Akkus sein.

Laden und Lagern sind zwei verschiedene Dinge

Das wird häufig durcheinandergebracht.

Ein Hersteller kann für seinen Akku einen relativ großen Temperaturbereich für Betrieb oder Lagerung zulassen und gleichzeitig einen wesentlich kleineren Bereich für das Laden vorgeben.

Bei Bosch beispielsweise überwacht die Elektronik die Temperatur und lässt einen Ladevorgang nur zwischen 0 und 40 °C zu. Bosch empfiehlt nach Möglichkeit das Laden bei Raumtemperatur.

Shimano nennt für seine aktuellen E-Bike-Akkus ebenfalls 0 bis 40 °C als Ladetemperatur.

Das bedeutet für den Alltag:

Steht das E-Bike in einer trockenen Garage und liegen die Temperaturen im zulässigen Bereich des Herstellers, muss der Akku nicht allein deshalb zum Laden ins Haus getragen werden, weil Winter ist.

Bei Frost sieht das anders aus.

Ein stark ausgekühlter Akku sollte nicht einfach an das Ladegerät angeschlossen werden. Im Zweifel den Akku hereinholen, auf Temperatur kommen lassen und erst anschließend laden.

Die Bedienungsanleitung des eigenen Akkus geht dabei immer vor, denn die zulässigen Temperaturbereiche unterscheiden sich je nach Hersteller und Modell.

Muss der Akku bei jeder kalten Nacht ins Haus?

Auch daraus würden wir keine Wissenschaft machen.

Wer sein E-Bike regelmäßig benutzt und es in einer trockenen Fahrradgarage abstellt, muss den Akku nicht automatisch jeden Abend herausnehmen, sobald es draußen etwas kälter wird.

Bei länger anhaltenden Minusgraden sieht die Sache anders aus. Dann ist es sinnvoll, den herausnehmbaren Akku frostgeschützt beziehungsweise entsprechend den Herstellerangaben zu lagern.

Der ADFC empfiehlt für die Winterzeit ebenfalls eine wärmere Lagerung und weist darauf hin, dass Kälte die verfügbare Leistung reduziert.

Hier zeigt sich übrigens ein Unterschied, der bei Fahrradgaragen gerne übersehen wird:

Wetterschutz ist kein Frostschutz.

In einer Fahrradgarage ist es nicht automatisch warm

Eine Fahrradgarage schützt das Fahrrad vor Regen, Schnee und direkter Witterung.

Sie ist aber kein beheizter Raum.

Auch unsere Fahrradgaragen nehmen im Laufe der Zeit weitgehend die Umgebungstemperatur an. Wenn es draußen über längere Zeit deutlich unter null Grad ist, wird es deshalb auch innerhalb der Garage entsprechend kalt.

Das Fahrrad selbst kann dort weiterhin witterungsgeschützt stehen.

Beim Akku sollte man dagegen unterscheiden.

Bei normalen Temperaturen kann er – innerhalb der vom Hersteller zugelassenen Temperaturbereiche – am Fahrrad bleiben und dort auch geladen werden. Bei einer längeren Frostperiode würden wir einen herausnehmbaren Akku dagegen ins Haus holen.

Das ist ein kleiner Handgriff und bei modernen Akkus mit einem Wert von mehreren hundert Euro sicherlich kein großer Aufwand.

Nicht nur Kälte beeinflusst ein Fahrrad beim Abstellen. Was dauerhafte Feuchtigkeit, UV-Strahlung und Witterung mit einem Fahrrad machen können, haben wir in unserem Beitrag Fahrrad draußen lagern – was passiert wirklich? genauer betrachtet.

Nach einer kalten Winterfahrt nicht sofort laden

Hier steckt ein praktischer Punkt, den man leicht vergisst.

Man kommt am Abend mit dem E-Bike nach Hause. Der Akku ist fast leer, also wird automatisch das Ladegerät angeschlossen.

Bei normalen Temperaturen kein Problem.

Hat das Fahrrad aber mehrere Stunden bei deutlichen Minusgraden gestanden oder wurde bei großer Kälte gefahren, sollte ein herausgenommener Akku zunächst wärmer werden, bevor er geladen wird.

Der ADFC empfiehlt ebenfalls, Akkus nur im zulässigen Temperaturbereich zu laden und weist darauf hin, dass dieser üblicherweise zwischen 0 und 40 °C liegt.

Es lohnt sich deshalb, gerade im Winter einmal in die Bedienungsanleitung des eigenen Akkus zu schauen.

Und was ist bei einer längeren Winterpause?

Ein ganz anderer Fall ist das E-Bike, das im November abgestellt und erst im März oder April wieder benutzt wird.

Dann sollte der Akku nicht einfach vollgeladen vier Monate am Fahrrad bleiben.

Auch hier unterscheiden sich die Empfehlungen etwas.

Bosch empfiehlt für eine längere Lagerung einen Ladezustand von 30 bis 60 Prozent, einen trockenen Raum und Raumtemperatur.

Giant empfiehlt für eine längere Nichtbenutzung ungefähr 60 Prozent. Einige Giant-Ladegeräte besitzen dafür sogar einen speziellen 60-%-Lagermodus.

Der ADFC nennt herstellerübergreifend ungefähr 30 bis 70 Prozent und eine kühle Lagerung bei etwa 10 bis 15 °C, weist aber ausdrücklich darauf hin, die jeweilige Herstellerempfehlung zu beachten.

Das zeigt ziemlich gut, warum eine pauschale Zahl im Internet wenig sinnvoll ist.

Unser Praxistipp

Wer das E-Bike über den Winter regelmäßig fährt, behandelt den Akku anders als jemand, der das Fahrrad für vier Monate abstellt.

Regelmäßige Nutzung:
Akku normal benutzen. Bei starkem beziehungsweise länger anhaltendem Frost herausnehmen und frostgeschützt lagern. Einen stark ausgekühlten Akku vor dem Laden erst auf eine zulässige Temperatur kommen lassen.

Längere Winterpause:
Akku herausnehmen, trocken lagern und den vom Hersteller empfohlenen Ladezustand einhalten.

Das ist eigentlich schon das Wichtigste.

Drei Hersteller – ähnliche Richtung, aber nicht identische Angaben

HerstellerLadenLängere Lagerung
Bosch0–40 °C, möglichst Raumtemperatur30–60 %, trocken, Raumtemperatur
Shimano0–40 °Cmodellabhängige Vorgaben beachten
GiantHerstellerhinweise beachten, Smart-System überwacht Temperaturca. 60 %, nicht längere Zeit in der Kälte

Die Tabelle zeigt vor allem eines: Die Grundrichtung ist ähnlich, die konkreten Vorgaben sind es nicht immer. Deshalb sollte die Bedienungsanleitung des verbauten Akkus die letzte Instanz bleiben.

Einen herstellerunabhängigen Überblick zur richtigen Pflege, zum Laden und zur Lagerung von E-Bike-Akkus bietet auch der ADFC in seinem Ratgeber zur Akku-Pflege und Nutzung.

Laden in der Fahrradgarage – noch etwas ist wichtig

Temperatur ist nicht der einzige Punkt.

Der Ladeplatz sollte trocken sein und das zum Akku gehörende beziehungsweise vom Hersteller freigegebene Ladegerät verwendet werden. Bosch empfiehlt zudem einen trockenen Ladeort mit funktionierendem Rauchmelder. Der ADFC rät davon ab, Akkus über längere Zeit unbeaufsichtigt und in der Nähe brennbarer Materialien zu laden.

Das sollte man auch bei einer Steckdose in der Fahrradgarage berücksichtigen.

Nur weil dort eine Steckdose vorhanden ist, wird daraus nicht automatisch ein geeigneter Ladeplatz für jeden Akku und jede Witterungssituation.

Unser Fazit

Ein E-Bike-Akku muss im Winter nicht automatisch jeden Abend mit ins Haus.

Entscheidend sind Temperatur und Nutzung.

Bei normalen Temperaturen kann ein Akku innerhalb der Herstellergrenzen auch in einer trockenen Fahrradgarage bleiben und geladen werden. Bei länger anhaltendem Frost ist es sinnvoll, einen herausnehmbaren Akku frostgeschützt aufzubewahren. Und wer sein E-Bike mehrere Monate nicht benutzt, sollte zusätzlich auf den empfohlenen Ladezustand achten.

Vielleicht ist die einfachste Regel deshalb diese:

Das Fahrrad braucht im Winter vor allem Schutz vor der Witterung. Beim Akku kommt zusätzlich die Temperatur ins Spiel.

Und bevor man sich darüber streitet, ob nun 30, 50 oder 60 Prozent Ladezustand optimal sind, lohnt sich ein Blick in die Bedienungsanleitung des eigenen Akkus. Die kennt das verbaute System besser als jede allgemeine Empfehlung im Internet.