Man kommt mit dem Fahrrad nach Hause, draußen regnet es, das Fahrrad ist nass. Also ab damit in die Garage und Tür zu.
Eigentlich genau das, wofür eine Fahrradgarage da ist.
Aber was passiert anschließend mit der Feuchtigkeit? Muss das Fahrrad vorher abgetrocknet werden? Und ist eine möglichst geschlossene Garage automatisch der beste Schutz?
Aus unserer Erfahrung gibt es darauf keine Antwort, die nur von der Garage abhängt. Ein Punkt wird bei der Planung häufig unterschätzt: der Standort.
Ein nasses Fahrrad in die Garage stellen – ist das ein Problem?
Zunächst einmal nicht.
Eine Fahrradgarage soll schließlich im Alltag funktionieren. Niemand möchte nach jeder Regenfahrt erst das Fahrrad vollständig trockenreiben, bevor es abgestellt werden kann.
Mit dem Fahrrad kommt aber zwangsläufig Wasser in die Garage. Es haftet an Reifen, Schutzblechen, Rahmen und Anbauteilen und tropft teilweise auf den Boden. Bei mehreren Fahrrädern kommt entsprechend mehr Feuchtigkeit zusammen.
Diese Feuchtigkeit muss anschließend wieder abtrocknen können.
Und genau an diesem Punkt wird die Luftzirkulation wichtig.
Wetterschutz bedeutet nicht möglichst luftdicht
Von außen betrachtet klingt es zunächst logisch: Je dichter eine Fahrradgarage geschlossen ist, desto besser sind die Fahrräder geschützt.
Ganz so einfach ist es nicht.
Regen und Schnee sollen draußen bleiben. Gleichzeitig muss die Feuchtigkeit, die mit den Fahrrädern hineingelangt, wieder entweichen können.
Feuchte Luft kann zudem an kalten Oberflächen zu Kondenswasser führen. Entscheidend sind dabei unter anderem Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Luftaustausch. Die Verbraucherzentrale erklärt diesen Zusammenhang ausführlicher in ihren Informationen zu Feuchtigkeit, Kondensation und richtigem Lüften.
Verbraucherzentrale – Heizen und Lüften: So geht’s richtig
Eine Fahrradgarage muss deshalb nicht warm oder beheizt sein. Wichtig ist vielmehr, dass ein Luftaustausch stattfinden kann.
Unsere Zweiradgaragen sind bewusst nicht luftdicht konstruiert. Dort, wo die einzelnen Bauteile aufeinandertreffen, bleibt ausreichend Raum, damit die Luft zirkulieren und Feuchtigkeit nach außen gelangen kann.
Dabei sollte man allerdings nicht nur auf die Garage selbst schauen. Denn selbst eine gut belüftete Konstruktion kann ungünstige Bedingungen am Aufstellort nicht vollständig ausgleichen.
Unser Praxisbeispiel: Der Standort macht den Unterschied
Ein Kunde hatte bereits eine Zweiradgarage von uns und war damit so zufrieden, dass er nach seinem Umzug erneut eine bestellte.
Am neuen Haus waren die Bedingungen allerdings völlig anders. Die Garage stand sehr geschützt zwischen zwei Steinwänden, zusätzlich umgeben von Nadelbäumen. Die Luft konnte dort kaum zirkulieren. Dass der Standort dauerhaft feucht war, ließ sich bereits an den bemoosten Steinwänden erkennen.
Für uns war das ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur die Belüftung der Garage selbst zählt. Auch die Luftzirkulation rund um den Aufstellort spielt eine wichtige Rolle.
Die Umgebung gehört zur Planung dazu
Bei der Suche nach dem richtigen Standort stehen normalerweise andere Fragen im Vordergrund:
Passt die Garage dorthin? Ist genügend Platz zum Öffnen vorhanden? Kann ich die Fahrräder bequem hinein- und herausschieben? Ist der Untergrund geeignet?
Wir würden noch eine Frage hinzufügen:
Wie sieht dieser Platz nach zwei oder drei Regentagen aus?
Das kann erstaunlich aufschlussreich sein.
Liegt der Platz ständig im Schatten? Stehen Mauern direkt daneben? Gibt es eine dichte Hecke oder Bäume? Bleiben Boden und angrenzende Wände lange feucht, während andere Bereiche des Grundstücks bereits abgetrocknet sind?
Das bedeutet nicht automatisch, dass dort keine Fahrradgarage stehen kann. Es sind aber Hinweise darauf, dass man die Belüftung und die Luftzirkulation rund um die Garage bei der Planung berücksichtigen sollte.
Unser Tipp: Den Standort bei schlechtem Wetter ansehen
Eine Garage kauft und plant man gerne bei schönem Wetter. Für die Beurteilung des Standortes ist ein Regentag möglicherweise interessanter.
Schauen Sie sich den vorgesehenen Platz nach längerem Regen an.
Sind Boden und Mauern dort auffällig lange nass? Gibt es Moosbewuchs? Ist der Platz durch Mauern, Hecken oder dichte Bepflanzung weitgehend abgeschirmt?
Das ist keine wissenschaftliche Feuchtemessung. Es vermittelt aber einen guten ersten Eindruck davon, wie schnell der Bereich wieder abtrocknet.
Das ist unser Praxistipp bei der Standortwahl: Nicht nur schauen, wo die Fahrradgarage hinpasst, sondern auch darauf achten, wie sich der Platz bei feuchtem Wetter verhält.
Und was bedeutet das für das Fahrrad?
Ein Fahrrad darf natürlich nass in die Fahrradgarage gestellt werden.
Bei ausreichendem Luftaustausch kann das mitgebrachte Wasser nach und nach abtrocknen. Die Garage verhindert gleichzeitig, dass neuer Regen oder Schnee auf das Fahrrad gelangt.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zum dauerhaften Abstellen im Freien. Welche Folgen Regen, UV-Strahlung und andere Witterungseinflüsse haben können, haben wir bereits in unserem Beitrag „Fahrrad draußen lagern – was passiert wirklich?“ beschrieben.
Etwas mehr Aufmerksamkeit ist im Winter sinnvoll. Dann bringt das Fahrrad unter Umständen nicht nur Wasser, sondern auch Straßenschmutz und Streusalz mit. Gerade Salz kann die Korrosion an Metallteilen fördern.
Der ADFC empfiehlt deshalb im Winter unter anderem, Schmutz und Salz regelmäßig zu entfernen und besonders die Kette im Auge zu behalten.
ADFC – Tipps zur Fahrradpflege im Winter
Was ist mit dem Holzboden?
Bei unseren Zweiradgaragen kann zwischen Sockelboden aus Holz und Befestigungssatz ohne Holzboden gewählt werden. Nur beim Sockelboden kommt das Holz direkt mit dem vom Fahrrad abtropfenden Wasser in Berührung.
Bei KDI-Fichte und Lärche sehen wir darin bei normaler Nutzung kein besonderes Problem. Einen Sockelboden aus unbehandelter Fichte empfehlen wir dagegen mit einer geeigneten Holzschutzlasur zu behandeln.
Wichtig ist auch hier, dass das Holz anschließend wieder abtrocknen kann.
Muss das Fahrrad nach jeder Regenfahrt abgetrocknet werden?
Daraus würden wir keine Wissenschaft machen.
Eine Fahrradgarage soll den täglichen Umgang mit dem Fahrrad einfacher machen und nicht für zusätzliche Arbeit sorgen. Bei einem normalen Standort und funktionierendem Luftaustausch sollte man sein nasses Fahrrad hineinstellen können, ohne vorher mit einem Tuch danebenstehen zu müssen.
Anders kann es nach Fahrten durch Schneematsch und Streusalz aussehen. Dann ist es ohnehin sinnvoll, starke Verschmutzungen und Salzreste zu entfernen.
Wer dagegen feststellt, dass Fahrräder und Innenraum über längere Zeit auffällig feucht bleiben, sollte genauer hinschauen. Dann ist nicht nur das Fahrrad interessant, sondern auch die Belüftung der Garage und vor allem ihr Standort.
Was wir daraus mitgenommen haben
Bei einer Fahrradgarage beschäftigen wir uns naturgemäß mit Konstruktion, Material, Dach und Belüftung. Das allein bestimmt aber nicht die Bedingungen im Inneren.
Das Mikroklima am Aufstellort lässt sich durch die Garage nicht einfach verändern.
Ein frei stehender Standort mit Luftbewegung bietet andere Voraussetzungen als ein schattiger Platz zwischen Mauern und dichter Vegetation.
Deshalb würden wir bei der Planung nicht nur fragen:
Wo passt die Fahrradgarage hin?
Sondern auch:
Wo kann sie gut stehen?
Gerade wenn mehrere mögliche Standorte zur Auswahl stehen, kann dieser kleine Unterschied später wichtig werden.




