Morgens minus fünf Grad, das Fahrrad steht draußen oder in einer unbeheizten Garage. Muss man sich deshalb Sorgen um das Rad machen?
Eigentlich nicht. Ein paar Minusgrade sind für die meisten Teile eines Fahrrads kein großes Problem. Deutlich unangenehmer wird es, wenn Nässe, Straßenschmutz und Streusalz zusammenkommen. Und genau das lässt sich im Winter kaum vermeiden, wenn das Fahrrad regelmäßig benutzt wird.
Wer nach einer Fahrt durch Schneematsch sein Rad abstellt, sieht am nächsten Morgen oft einen grau-weißen Belag an Rahmen, Felgen und Speichen. An der Kette fällt es manchmal erst später auf. Sie läuft rauer oder zeigt bereits erste Roststellen.
Kälte ist meistens nicht das eigentliche Problem
Ein Fahrrad muss im Winter nicht warm stehen. Rahmen, Lenker, Felgen und die meisten mechanischen Bauteile vertragen niedrige Temperaturen problemlos.
Etwas anderes ist Feuchtigkeit. Sie gelangt beim Fahren praktisch überall hin: an die Kette, zwischen Schraubverbindungen, an Ritzel und Schaltwerk. Das allein lässt sich ebenfalls nicht verhindern. Wichtig ist, dass das Rad anschließend wieder abtrocknen kann.
Deshalb ist ein trockener, aber unbeheizter Stellplatz häufig völlig ausreichend.
Aus unserer Erfahrung mit Fahrradgaragen wissen wir auch: Eine unbeheizte Garage wird im Winter natürlich kalt. Sie nimmt weitgehend die Außentemperatur an. Das ist zunächst kein Nachteil. Entscheidend ist, dass das Fahrrad nicht ständig neuem Regen oder Schnee ausgesetzt ist und vorhandene Feuchtigkeit wieder entweichen kann.
Streusalz sollte man nicht am Fahrrad lassen
Anders sieht es mit Streusalz aus. Es ist für Metallteile deutlich unangenehmer als die niedrige Temperatur selbst.
Besonders gut lässt sich das an der Kette beobachten. Nach mehreren Fahrten auf gestreuten Straßen kann sie überraschend schnell Rost ansetzen. Das gilt besonders dann, wenn das Fahrrad anschließend feucht abgestellt und einige Tage nicht benutzt wird.
Man muss deshalb nach einer Winterfahrt nicht gleich das komplette Fahrrad waschen. Ist das Rad aber mit salzigem Schneematsch bedeckt, sollte man die Rückstände zumindest grob entfernen.
Ein feuchter Lappen reicht für vieles schon aus. Bei stärkerer Verschmutzung kann man Salz und Schmutz mit Wasser entfernen. Die Kette anschließend trocknen lassen und bei Bedarf wieder schmieren.
Der ADFC empfiehlt ebenfalls, im Winter insbesondere Salz und groben Schmutz regelmäßig zu entfernen.: ADFC – Tipps zur Fahrradpflege im Winter
Ein nasses Fahrrad darf auch nass abgestellt werden
Das klingt vielleicht selbstverständlich, ist aber eine Frage, die beim Thema Fahrradgarage immer wieder auftaucht: Muss ein Fahrrad nach einer Regenfahrt erst abgetrocknet werden?
Nein.
In der Praxis würde das ohnehin kaum jemand jeden Abend machen. Wer nach der Arbeit bei Regen nach Hause kommt, möchte sein Fahrrad abstellen und ins Haus gehen.
Wichtiger ist der Abstellort. Steht das Fahrrad geschützt und kann Luft zirkulieren, trocknet es nach und nach wieder ab. Problematischer kann ein Standort sein, an dem ohnehin ständig eine hohe Feuchtigkeit herrscht.
Genau so einen Fall hatten wir bereits bei einer unserer Fahrradgaragen. Ein Kunde hatte nach einem Umzug wieder das gleiche Modell gekauft. Am neuen Standort stand die Garage jedoch zwischen Steinwänden und dichtem Bewuchs. Dort trocknete Feuchtigkeit deutlich schlechter ab als am vorherigen Standort.
Nicht die Garage hatte sich verändert, sondern der Standort.
Darüber haben wir ausführlicher in unserem Beitrag über Fahrradgarage, Belüftung und Feuchtigkeit
Vorsicht mit der Plane
Eine naheliegende Lösung für ein draußen abgestelltes Fahrrad ist eine wasserdichte Abdeckplane. Gegen direkten Regen kann sie durchaus helfen.
Man sollte sie aber nicht möglichst dicht um ein nasses Fahrrad wickeln.
Kommt unter der Plane kaum Luft an das Fahrrad, kann die eingebrachte Feuchtigkeit nur schlecht entweichen. Dann ist das Rad zwar vor neuem Regen geschützt, bleibt darunter aber möglicherweise lange feucht.
Wer eine Plane verwendet, sollte deshalb darauf achten, dass von unten noch Luft zirkulieren kann. Und eine Plane, unter der sich bereits Kondenswasser gesammelt hat, sollte gelegentlich gelüftet werden.
Beim E-Bike ist der Akku ein eigenes Thema
Beim E-Bike kommt im Winter eine Komponente hinzu, die etwas anders behandelt werden sollte als der Rest des Fahrrads: der Akku.
Niedrige Temperaturen können die verfügbare Reichweite verringern. Das bedeutet nicht, dass ein E-Bike deshalb grundsätzlich nicht in einer kalten Garage stehen darf. Bei länger anhaltenden Minusgraden kann es aber sinnvoll sein, einen herausnehmbaren Akku mit ins Haus zu nehmen.
Beim Laden sollte man sich an die Temperaturvorgaben des jeweiligen Herstellers halten. Ein stark ausgekühlter Akku gehört nicht unmittelbar ans Ladegerät, wenn der Hersteller dafür einen anderen Temperaturbereich vorgibt.
Das Thema haben wir in unserem Beitrag über das Laden von E-Bike-Akkus in der Garage ausführlicher behandelt.
Im Frühjahr sieht man, was der Winter hinterlassen hat
Interessant wird es häufig erst nach einigen Monaten. Im Oktober ist eine leicht verschmutzte Kette noch kein Thema. Nach einem ganzen Winter können Salz, Feuchtigkeit und mangelnde Pflege aber deutliche Spuren hinterlassen.
Dabei braucht ein Alltagsrad auch im Winter keine ständige Rundumpflege. Wer regelmäßig fährt, kann es recht einfach halten: Nach besonders nassen oder salzigen Fahrten den gröbsten Schmutz entfernen, die Kette im Auge behalten und hin und wieder Bremsen und Beleuchtung kontrollieren.
Mehr muss daraus nicht gemacht werden.
Ein Fahrrad kann problemlos kalt stehen. Dauerhafte Feuchtigkeit und Streusalz sind die Dinge, auf die wir im Winter eher achten würden als auf die Zahl auf dem Thermometer.




