Ein schmaler Radweg, ein parkender Lieferwagen oder ein Lkw, der an der nächsten Kreuzung rechts abbiegt: Solche Situationen gehören für viele Radfahrer zum Alltag.

Besonders dort, wo sich die Wege verschiedener Verkehrsteilnehmer kreuzen oder der Platz knapp wird, können gefährliche Situationen entstehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man mit einem klassischen Fahrrad, einem E-Bike oder einem Lastenrad unterwegs ist.

Worauf sollte man achten, und wo lohnt es sich, lieber einen Moment zu warten?

Wenn unterschiedliche Fahrräder denselben Radweg nutzen

Klassische Fahrräder, E-Bikes, Lastenräder und Fahrräder mit Kinderanhängern nutzen häufig dieselben Radwege. Ihr Platzbedarf und ihre Geschwindigkeiten können sich allerdings deutlich unterscheiden.

Auf einem schmalen Zweirichtungsradweg wird das besonders spürbar. Ein Lastenrad kommt entgegen, während ein schnellerer Radfahrer überholen möchte. Plötzlich reicht der vorhandene Platz nicht mehr für alle.

Wer überholen möchte, sollte deshalb nicht nur prüfen, ob sein Fahrrad gerade noch durch die Lücke passt. Entscheidend ist, ob ausreichend Abstand zu anderen Radfahrern und zu festen Hindernissen bleibt.

Ist der Platz zu knapp, wartet man besser einen Moment.

Nicht nur auf dem Radweg benötigen Lastenräder mehr Platz. Auch beim Abstellen gibt es einiges zu beachten, wie wir in unserem Beitrag über die Planung einer Lastenradgarage  erklären.

Rechtsabbiegende Fahrzeuge: Eine besondere Gefahr

Ein Radfahrer fährt geradeaus auf einem Radweg. Neben ihm fährt ein Auto oder Lkw, dessen Fahrer an der nächsten Kreuzung rechts abbiegen möchte.

Beide bewegen sich zunächst in dieselbe Richtung. Beim Abbiegen kreuzen sich jedoch ihre Fahrwege.

Nach der Straßenverkehrs-Ordnung müssen abbiegende Fahrzeugführer den geradeaus fahrenden Radverkehr, der auf oder neben der Fahrbahn in derselben Richtung unterwegs ist, grundsätzlich durchfahren lassen.

Trotzdem können gefährliche Situationen entstehen, wenn Radfahrer übersehen werden oder die Sicht durch parkende Fahrzeuge, Bäume oder andere Hindernisse eingeschränkt ist.

Deshalb sollte man sich einer Kreuzung nicht allein mit dem Gedanken nähern, dass man selbst Vorfahrt hat.

Warum rechtsabbiegende Lkw besonders gefährlich sind

Bei einem Lkw kommt ein weiteres Problem hinzu: Der Fahrer kann nicht jeden Bereich unmittelbar neben seinem Fahrzeug vollständig überblicken. Spiegel und Assistenzsysteme helfen, beseitigen aber nicht jede Sichtbehinderung.

Außerdem folgen die Hinterräder beim Abbiegen einem engeren Weg als die Vorderräder. Dadurch kann der Platz rechts neben dem Fahrzeug während des Abbiegens erheblich kleiner werden.

Besonders kritisch ist es, wenn ein Radfahrer an einer roten Ampel rechts neben einem wartenden Lkw bis zur Haltelinie vorfahren möchte.

Unser Praxistipp: Steht ein Lkw an einer Kreuzung und ist nicht eindeutig erkennbar, wie er weiterfahren wird, sollte man sich nicht noch schnell rechts an ihm vorbeischieben. Im Zweifel mit ausreichendem Abstand hinter dem Fahrzeug warten, bis es die Kreuzung verlassen hat.

Der ADFC weist ebenfalls auf die Gefahren beim Rechtsabbiegen großer Fahrzeuge hin.

Weitere Hinweise zum sicheren Verhalten im Straßenverkehr gibt der ADFC .

Die Verantwortung für das sichere Abbiegen bleibt beim Fahrzeugführer. Die eigene Aufmerksamkeit und ein ausreichender Abstand können Radfahrern jedoch helfen, gefährliche Situationen zu vermeiden.

Auch Pkw können Radfahrer beim Abbiegen übersehen

Nicht nur an großen Kreuzungen ist Vorsicht angebracht. Ähnliche Situationen entstehen an Grundstücksausfahrten, Parkplatzzufahrten und Einmündungen.

Ein Autofahrer möchte rechts auf einen Parkplatz abbiegen. Gleichzeitig fährt ein Radfahrer auf dem danebenliegenden Radweg geradeaus.

Stehen unmittelbar vor der Einfahrt parkende Fahrzeuge oder eine hohe Hecke, können sich beide Verkehrsteilnehmer möglicherweise erst spät erkennen.

Für Autofahrer bedeutet das, vor dem Abbiegen sorgfältig auf den Radweg zu achten und gegebenenfalls anzuhalten.

Radfahrer sollten ihrerseits frühzeitig beobachten, ob ein Fahrzeug abbiegen könnte. Ein eingeschalteter Blinker ist ein wichtiger Hinweis, aber auch ohne Blinksignal kann ein Fahrzeug seine Fahrtrichtung ändern.

Parkende Autos und plötzlich geöffnete Türen

Ein weiteres Risiko entsteht durch parkende Fahrzeuge unmittelbar neben dem Radweg.

Wird plötzlich eine Autotür geöffnet, bleibt einem dicht vorbeifahrenden Radfahrer oft kaum Zeit zum Reagieren.

Deshalb sollte man ausreichend Seitenabstand zu parkenden Autos halten und auf Personen achten, die möglicherweise aussteigen möchten.

Auch Lieferwagen, Mülltonnen oder andere Hindernisse können einen Radweg unvermittelt verengen.

Wer deshalb ausweichen muss, sollte frühzeitig prüfen, ob der angrenzende Verkehrsraum frei ist. Einfach zur Seite zu ziehen, ohne auf nachfolgende Fahrzeuge oder andere Radfahrer zu achten, kann eine weitere Gefahr schaffen.

Wie viel Abstand müssen Autofahrer beim Überholen einhalten?

Wer regelmäßig auf der Fahrbahn unterwegs ist, kennt die Situation: Ein Auto überholt, obwohl der Platz eigentlich zu knapp erscheint.

Beim Überholen von Radfahrern mit Kraftfahrzeugen schreibt die Straßenverkehrs-Ordnung grundsätzlich einen Mindestseitenabstand von 1,5 Metern innerorts und 2 Metern außerorts vor.

Reicht der Platz dafür nicht aus, muss der Autofahrer mit dem Überholen warten.

Radfahrer sollten zugleich genügend Abstand zum Fahrbahnrand und zu parkenden Fahrzeugen halten. So bleibt Raum, um auf Schlaglöcher, Glasscherben oder andere Hindernisse reagieren zu können.

Eine schmale Straße wird schließlich nicht dadurch breiter, dass man mit dem Fahrrad möglichst dicht am Bordstein fährt.

Unser Tipp: Die eigene Strecke einmal genauer betrachten

Wer täglich denselben Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Bahnhof fährt, kennt seine Strecke gut. Gerade deshalb nimmt man manche schwierigen Stellen irgendwann kaum noch bewusst wahr.

Bei der nächsten Fahrt lohnt es sich, einmal gezielt darauf zu achten, wo der Radweg plötzlich endet, an welchen Kreuzungen rechtsabbiegende Fahrzeuge den eigenen Weg kreuzen und wo parkende Autos regelmäßig zu Ausweichmanövern zwingen.

Vielleicht gibt es eine ruhigere Parallelstraße oder eine andere Kreuzung, über die sich eine unangenehme Stelle umgehen lässt.

Das muss nicht bedeuten, dass man künftig einen großen Umweg fährt. Manchmal genügen schon wenige zusätzliche Meter, um eine schwierige Verkehrssituation zu vermeiden.

Nicht immer ist der kürzeste Weg auch der angenehmste.